 Ihre Psyche, Ihr Ego: Unterschätzen Sie niemals Ihr Ego, es ist Ihr größter Feind im Trading! Jeder Mensch ist subjektiv und ergreift für seine eigene Position Partei. Daher ist es unerläßlich, vor dem Betreten des Marktes die strategischen Eckpfeiler des Egos zu determinieren.
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Bei Verlusten will keiner an die Öffentlichkeit bzw. zu seiner Frau oder seinen Freunden gehen. So kommt es, daß wir Verlustpositionen lieber offen laufen lassen, statt Sie zu liquidieren, da wir immer wieder hoffen, die Position könnte in den Gewinn laufen. Nach der "kostolanischen Weisheit" "schlafe 10 Jahre und verkaufe dann" ist das konsequent abschneiden ja auch überflüssig - in Futures ist das nicht abschneiden von Verlusten tödlich! Zum einen reicht unsere Deckung in der Regel nicht aus, um massive Verlustphasen zu überstehen und zum anderen müssen wir nach ca. 3 Monaten stets den Kontrakt glattstellen (andernfalls würde er angedient werden). Ohne vorher das Maximalrisiko und die Ausstiegskriterien je Trade schriftlich zu fixieren, werden Sie stets in den Hoffnungsmodus geraten und damit in den (Total)Verlust. Sie werden sich wieder und wieder ertappen, wie sie trotz festgelegter Kriterien eine Position nur schweren Herzens oder gar nicht (rechtzeitig) liquidieren.
Plazieren Sie sich ein großes Schild über Ihrem Monitor mit der Aufschrift: Falle nicht in den Hoffnungsmodus!
Umgekehrt baut ein jeder Gewinn unser Ego auf, jedoch nicht unser Konto. Wir nehmen also jeden kleinen Gewinn heraus, egal ob er in einem extremen Mißverhältnis zur riskierten, per Plan fixierten Risk/Reward Ratio (Risiko/Belohnung Verhältnis) steht. Den Gewinn präsentieren wir stolz, deshalb versuchen wir stets, ihn zu sichern. Denn die "Zuschauer" wissen nicht, daß Sie gerade für einen 1000,- US$ Gewinn ein Verlustrisiko von 8.000,- US$ hinnahmen. Selbst wenn Sie in 60 % Ihrer Trades erfolgreich wären, wäre die Summe aus 60 Gewinntrades á 1000,- US$ und 40 Verlusttrades á 8.000,- US$ ein Minus von 260.000,- US$. Diese Logik würde andersherum bei einer Ratio von nur 30% Gewinntrades in einer Höhe von 8.000,- US$ und 70% Verlusttrades in Höhe von nur 1.000,- US$ zu einem Gesamtgewinn führen. Das Verhältnis sollte in der Regel 1:3 (Gewinn= 3 x Verlust) betragen, da wir davon ausgehen müssen, daß wir häufiger verlieren werden, als wir Gewinnen können. Dennoch kann so unser Engagement per Saldo einen Gewinn vorweisen. Der Einstieg ist also, verglichen mit dem Ausstieg, relativ unwichtig. Fokussieren Sie Ihre Energie deshalb auf das folgende Moneymanagement anstatt sich mit technischen Details von Indikatoren, Ordermasken, Billiggebühren oder Analysen todzustudieren.
Leider versucht Ihnen Ihr Ego prinzipiell letztere Variante zugunsten der schlechteren, doch für Ihr Ego besseren Variante auszureden. Verluste sind, selbst wenn Sie in größerer Zahl als die Gewinne auftreten, nicht ausschlaggebend. Es geht vielmehr darum, Sie zu kontrollieren. Stellt sich Ihr Ego darauf ein und schaffen Sie es, diszipliniert Ihrem Plan zu folgen, ohne sich oder anderen etwas beweisen zu wollen, steht Ihnen das Tor zu guten Resultaten im Trading offen.
Im Training für Institutionelle wird das Nicht-Einhalten eines Spekulationsplanes oder das Nicht-Anfertigen von Aufzeichnungen generell mit einer Geldstrafe sanktioniert. Schaffen Sie sich eine Kontrollinstanz, die darüber wacht, wie kontrolliert Sie mit Gewinnen oder Verlusten umgehen.
Lernen Sie das Verhalten Ihrer Psyche in Extremsituationen kennen, so wie Sie es bei einem neuen Auto tun, bevor Sie "richtig Gas geben".
Ein weiterer Aspekt sind die psychologischen Filter die unsere objektive Wahrnehmung zu 90% durch eine subjektive ersetzen. Machen wir Gewinne, werden wir euphorisch und leichtsinnig, Verluste hingegen lassen uns resignieren. Deshalb ist der schriftliche Plan einer der effizientesten Auswege aus diesem Dilemma. Niemals werden Sie, solange Sie im Markt sind, objektiv die Chancen Ihrer Position oder das Risiko weiterer Engagements einschätzen können. All diese Überlegungen würden von Ihrem Gemütszustand beziehungsweise den daraus resultierenden psychologischen Filtern verfärbt werden. Machen Sie deshalb alle Analysen in einem neutralen Zustand, in dem Sie weder durch Gewinne noch durch Verluste beeinflußt sind, und legen Sie vor Betreten des Marktes so viel wie möglich (am besten alle Handelsparameter und -Überlegungen für Ein- und Ausstieg) fest.
Tips zum Besiegen des Egos und zur Vermeidung seines Einflusses (Zitat eines Traders):
"Mein Chef hat mich nach Verlusten stets nach draußen geschickt - so wichtig war ihm der Abstand für die zu sichernde Objektivität. Als ich erholt nach einer Stunde, einem Spaziergang und einem Essen wiederkam, sah ich die Situation wieder objektiv. Früher machte ich meist nach dem ersten Verlust in den darauffolgenden Trades weitere Verluste; ich war sauer und wollte zurückgewinnen, was ich verloren habe. Nach diesen Maßnahmen wurde ich um 30 % besser. Mit Verlusten fertig werden ist hart und erfordert Disziplin - am schlimmsten ist jedoch das Abrücken vom Spekulationsplan. Weil ich Verluste wieder hereinholen wollte erachtete ich realistische Gewinnbeträge als nicht mehr ausreichend, rückte vom Plan ab ging unverhältnismäßig hohe Risiken für verhältnismäßig kleine Gewinnchancen ein..." (Anmerkung: Normalerweise zeichnet die Kongruenz der Risiko-und Renditekurve den Future aus. Ab einem gewissen Grad jedoch steigt nur noch das Risiko.)
Alle Trader machen erfahrungsgemäß die oben genannten Fehler, wenn sie keinen Spekulationsplan haben, der ihr Ego besiegen kann.
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